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Magnetische Wasserenthärtung
 
     
 
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Inhalt:
 Allgemeines
 Physikalische Fakten
 Elektronische Wasserenthärter
 Versuch mit magnetisch behandeltem Wasser
 Testergebnisse
 Täuschung der Käufer
 Ausprobieren / Testbetrieb bei Ihnen zu Hause
 Fazit
  Verwandte Themen:
 Energiegewinnung mit Magneten
 Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs


Allgemeines

Vor allem auf Verbrauchermessen aber auch "an der Haustür" und in den Verkaufskanälen im Fernsehen werden Geräte angeboten, die in die Wasserleitung eingebaut oder an ihr befestigt werden und mittels magnetischer Kraft das Leitungswasser enthärten sollen. Hier hat sich in den letzten Jahren ein ganzer Industriezweig mit Firmen von z.T. beeindruckender Größe gebildet. Regelmäßig kosten solche magnetischen Wasserenthärter viel Geld, nämlich bis zu einigen tausend Euro. Dies ist umso beeindruckender, weil solche Geräte absolut wirkungslos sind und aus physikalischer Sicht auch überhaupt nicht funktionieren können. Nachfolgend können Sie erfahren, was hartes Wasser überhaupt ist und welchen Einfluß Magnetfelder auf die Bildung von Ablagerungen haben. Abgerundet werden diese theoretische Betrachtungen durch einen Praxisversuch eines Arbeitskollegen, der sich ein solches Gerät testweise installieren ließ ( s.u.).


Physikalische Fakten

Die Hersteller von sogenannten magnetischen Wasserenthärtungsanlagen behaupten mit nebulösen Worten, daß beim Vorbeileiten von Wasser an Magneten die "Struktur" des Wassers oder der darin gelösten oder mitgeschwemmten Salze geändert werde und sich dadurch die gelösten Stoffe weder an der Wasserleitung noch z.B. an Trinkgläsern niederschlagen können. Sehr gerne bezeichnen die Hersteller das Vorbeileiten an Magneten als "physikalische Wasseraufbereitung".

Aus physikalischer Sicht ist das offen gesagt ganz großer Humbug, denn man kann weder die Struktur des Wassers noch die der gelösten Stoffe beeinflussen, denn weder das Wasser noch die gelösten Stoffe besitzen überhaupt eine feste Struktur. Deren Moleküle befinden sich, wie es nun einmal dem Wesen einer Flüssigkeit entspricht, vielmehr in ständiger und völlig ungeordneter Bewegung. Aber was passiert wirklich, wenn man Wasser mit seinen gelösten oder auch mitgeschwemmten Stoffen einem Magnetfeld aussetzt? Hierzu muß man zuerst einmal wissen, was Wasser ist und was passiert, wenn man Salze in Wasser löst. Sie wundern sich über den Begriff Salz? Damit ist nicht nur Kochsalz gemeint, sondern eine ganze Gruppe von Stoffen, unter die auch die sogenannte Carbonathärte fällt. Bei den härtebildenden Salzen handelt es sich vorzugsweise um die Salze Calciumcarbonat und Magnesiumcarbonat. Ohne allzusehr in Details zu gehen, kann man sagen, daß alle Salze grundsätzlich aus einem positiv geladenen und einem negativ geladenen Ion bestehen. Im trockenen Zustand finden diese paarweise zusammen, so daß ein einzelnes Salzmolekül nach außen hin ungeladen erscheint. Beim Eintrocknen bilden die Salzmoleküle zudem ein Gitter, was man von außen als Kristallbildung beobachten kann. Beim Auflösen in Wasser umringen die Wassermoleküle sowohl die positiven als auch die negativen Ionen und trennen diese voneinander, wie in Bild 1 dargestellt.

In Wasser gelöste Salze
Bild 1: In Wasser gelöste Salze


Blau dargestellt ist der Sauerstoff und rot der Wasserstoff. Wasser d.h. H2O besteht aus einem Sauerstoffatom und 2 Wasserstoffatomen, die in einem charakteristischen Winkel angeordnet sind und für einige der besonderen Eigenschaften von Wasser verantwortlich sind. Wie man sieht, sind sowohl die grün dargestellten negativen Ionen als auch die lila dargestellten positiven Ionen des gelösten Salzes von Wassermolekülen umgeben. Man beachte hierbei, daß Wasser aufgrund des o.g. Winkels der Wasserstoffatome polare Eigenschaften zeigt, d.h. eine negativ geladene Seite (Sauerstoff) und eine positiv geladene Seite (Wasserstoff) besitzt. Als Folge wird die negativ geladene Sauerstoffseite von positiv geladenen Ionen angezogen und die positiv geladene Wasserstoffseite von negativ geladenen Ionen. Dadurch bilden sich im Bild Ringe (bzw. im dreidimensionalen Raum natürlich kugelförmige Gebilde) aus Wassermolekülen um die Ionen. Das Bild kann selbstverständlich nur eine Momentaufnahme sein, weil sich alle Moleküle und Ionen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten in unterschiedliche Richtungen bewegen und sich zudem um die eigene Achse drehen. Aufgrund der Ladungen ziehen sich positiv und negativ geladene Ionen immer an. Dadurch findet man im Mittel diese Ionen gleichmäßig verteilt in der Lösung vor.

Nachdem nun klar ist, was Wasser ist und wie darin gelöste Salze aussehen, kann man nun untersuchen, was passiert, wenn diese Lösung durch ein Magnetfeld fließt. Wassermoleküle sind unmagnetisch* und nach außen hin weder negativ noch positiv geladen. Daher werden Sie in einem Magnetfeld nicht aus ihrer Bahn abgelenkt. Die von Wassermolekülen umringten und sich bewegenden Ionen sind zwar unmagnetisch aber nach außen hin geladen und werden daher im Magnetfeld abhängig von ihrer Geschwindigkeit auch geringfügig abgelenkt (je schneller desto stärker, unbewegte Teilchen erfahren keinerlei Ablenkung); die positiv geladenen im Bild z.B. nach rechts und die negativ geladenen nach links zusammen mit den sie umringenden Wassermolekülen. Komplett d.h. räumlich weit voneinander trennen kann man die Ionen dadurch aber nicht, weil die elektrische Anziehung sehr viel stärker als die elektromagnetisch erzeugte Kraft ist. Hinzukommt, daß sofort nach dem Verlassen des Magnetfelds infolge thermischer Bewegung und noch viel mehr durch Verwirbelungen in der Leitung der alte ungeordnete Zustand sofort wieder hergestellt wird.

* Als magnetisch werden umgangssprachlich üblicherweise ferromagnetische Stoffe bezeichnet, als unmagnetisch entsprechend alle anderen. Meßtechnisch absolut unmagnetische Stoffe gibt es nach derzeitigem Kenntnisstand nicht. Wasser ist ganz geringfügig diamagnetisch. Seine Suszeptibilität beträgt gerade einmal -9,1 · 10-6 bzw. in anderer Schreibweise 0,0000091. Die Suszeptibilität von Eisen beträgt hingegen je nach Reinheit um die 5000. Als Vergleich der Größenverhältnisse: Wenn man sich über große Entfernungen unterhält und als Beispiel die Entfernung zwischen Erde und Mond (im Mittel ca. 384000 km) nennt, sind 0,0007 km sprich popelige 70 cm vernachlässigbar klein. Daß der diamagnetische Effekt verschwindend gering ist, können Sie daran erkennen, daß es Ihnen auch bei sehr kleinem Abstand von Permanentmagnet und Wasser nicht gelingen wird, eine ohne Hilfsmittel sichtbare Delle im Wasser hervorzurufen. Bei den im Wasser gelösten Ionen, die entweder paramagnetisch oder diamagnetisch sind, ist es genauso. Die dabei wirkenden Kräfte sind selbst direkt am Magneten so klein, daß sie nicht relevant sind und nehmen zudem mit der Entfernung stark ab. Insofern kann man Wasser in sehr guter Näherung als unmagnetisch ansehen.

Oft behaupten die Hersteller, daß kleine Salzkristalle ("Kalk"), die mit dem Wasser als kleinste, ungelöste Körnchen mitgeschwemmt werden, durch das Magnetfeld in irgendeiner mystischen Weise beeinflußt werden, so daß sie sich nicht mehr an den Rohrwandungen oder am Wasserhahn niederschlagen können. Es wird beispielsweise behauptet, daß diese Körnchen in tausend Teile aufgespaltet werden.

Es ist einfach unglaublich, mit welcher Dreistigkeit solcher Unsinn verbreitet wird. Denn ungelöste Salzkristalle können grundsätzlich nirgendwo anhaften; sie werden einfach mitgeschwemmt und landen im Ausguß. Sie haben vielmehr die gleiche Wirkung wie feinster Sandstaub im Wasser. Aufgrund ihrer kleinen Größe sind sie noch nicht einmal in der Lage, Filtersiebe zu verstopfen. Ablagerungen entstehen vielmehr dadurch, daß sich z.B. durch Wärmeunterschiede, lokale Konzentrationsunterschiede oder das Vorhandensein von Kristallisationskeimen einzelne, im Wasser gelöste Ionenpaare an den Rohrwandungen kristallisieren. Außerhalb der Wasserleitung entstehen Kalkringe schlicht und ergreifend dadurch, daß das Wasser an der Luft verdunstet. Die gelösten Salze können nicht verdunsten und bleiben übrig. Sie kristallisieren notgedrungen mangels Lösungsmittels in feinsten Kriställchen und überziehen den ehemals benetzten Bereich mit einem feinen Belag aus winzigen Kristallen. Innerhalb der Wasserrohre entstehen Kalkablagerungen nur und ausschließlich, wenn gelöste Ionen aus der Lösung gehen d.h. auskristallisieren, aber nicht durch Anlagerung von bereits im Wasser vorhandenen Salzkristallen.

Salzkristalle wie auch andere Schwebeteilchen sind weder magnetisch noch nach außen hin elektrisch geladen. Wenn sie vom Wasser an einem Magneten vorbeigeschwemmt werden, passiert daher rein garnichts: Sie werden nicht im geringsten abgelenkt. Und schon garnicht ändert sich irgendetwas an ihrer Struktur. Wie sollte dies ein Magnet auch erreichen? Der beste Beweis: Ein Calciumcarbonat- oder ein Kochsalzkörnchen bewegt sich noch keinen Millimeter, selbst wenn man den stärksten NdFeB-Magneten (= "Neodym-Magnet") ganz dicht daneben hält, und zerfällt erst recht nicht vor Schreck in tausend Teile, wie viele Hersteller plakativ behaupten.

Außerdem muß man unterscheiden zwischen der Bildung von Kesselstein in den Rohren ("Kalkablagerungen") und der Korrosion der Rohre, die gerne in einen Topf geworfen werden. Es handelt sich jedoch um zwei völlig unterschiedliche Mechanismen: Einerseits die Bildung von Salzkristallen an den Wandungen, andererseits die Bildung von chemischen Verbindungen mit dem Rohrmaterial. Bei letzterem kann es zur Bildung unlöslicher chemischer Verbindungen kommen, so daß sich "Ausblühungen" ergeben. Bilden sich jedoch wasserlösliche chemische Verbindungen, werden diese vom Wasser weggeschwemmt und es kommt zum Lochfraß, weil ja ein Teil des Rohrmaterials aufgelöst wurde. Dieser Lochfraß wird vor allem durch einen zu niedrigen pH-Wert begünstigt (saurer Bereich). Dies bedeutet, daß es freie Säureionen gibt, die das Material der Rohre angreifen können. Auf diese Ionen hat ein Magnetfeld keinerlei Einfluß. Man kann diese Ionen nicht mit einem Magneten unwirksam machen oder ihr die Agressivität nehmen. Es würde nur helfen, diese aggressiven Ionen aus dem Wasser komplett zu entfernen oder durch Zugabe von Lauge zu neutralisieren. Dies passiert beim Vorbeileiten an einem Magneten aber genau nicht. Werbeversprechungen dieser Art sind daher glatt erlogen und erstunken. Ein Magnet kann sich nämlich nicht einmal selbst vor Säureionen schützen. Der Nachweis ist sehr einfach dadurch möglich, daß Sie z.B. einen teuren Neodymmagneten ohne Oberflächenschutz in handelsübliche "Batteriesäure" (=30%ige Schwefelsäure) werfen und kurz umrühren. Alternativ können Sie verdünnte Schwefelsäure nehmen und ihr ein paar Tage Zeit geben. Selbst das stärkste Magnetfeld bewahrt ihn nicht davor, aufgelöst zu werden.

Ein Magnetfeld hat daher keinerlei Einfluß auf das Wasser, Säureionen, gelöste Salze oder mitgeschwemmte Salzkristalle, sodaß es auf die Ablagerung ebenfalls keinerlei Einfluß nehmen kann. Hierbei ist es auch absolut egal, ob man für die Erzeugung von Magnetfeldern Elektromagnete, simple Ferritmagnete oder teure Seltene-Erden-Magnete wie z.B. Neodymmagnete verwendet, denn einem Magnetfeld sieht man nicht an, wie es technisch erzeugt wurde. Bei den angebotenen magnetischen Wasserenthärtern kommt zudem hinzu, daß das Wasser noch einen weiten Weg durch die Leitung bis zum Wasserhahn vor sich hat und zudem mitunter tagelang in der Leitung steht - völlig ohne Magnetfeld. Ist es nicht eine höchst abenteuerliche Behauptung, daß sich das Wasser daran erinnern soll, daß es vor einiger Zeit an einem Magneten vorbeigeflossen ist? Physikalisch ist dies jedenfalls weder erklärbar noch eine Wirkung nachweisbar.


Elektronische Wasserenthärter

Im Vergleich zu magnetischen Wasserentärtern relativ preisgünstig sind mit 25 - 125 Euro sogenannte elektronische Wasserenthärter, die auch im Versandhandel oft angeboten werden. Von einigen Geräten liegen mir Schaltpläne vor, die sich sehr ähneln. Diese bestehen alle aus einem sehr einfachen Rechteckgenerator. Der dort eingesetzte elektronische Schaltkreis NE555 ist ein alter Bekannter aus den 70er Jahren, der mit deutlich weniger als 25 Cent zudem sehr preisgünstig ist. Abgesehen von dem mitunter extremen Mißverhältnis zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis (ein ab 30 Euro erhältlicher DVD-Player ist nicht nur geradezu ein Wunderwerk der Technik sondern besitzt darüberhinaus ein unglaublich günstiges Preis-/Leistungsverhältnis) kann man sich hinsichtlich der Herstellerangaben zur Funktionsweise wirklich nur köstlich amüsieren.

In Bild 2 ist ein typischer elektronischer Wasserenthärter dargestellt. Eine Elektronik erzeugt ein einziges Rechtecksignal, das doppelt mittels zwei blau dargestellten isolierten Drähten herausgeführt ist. Gemäß Bedienungsanleitung soll man diese wie im Bild dargestellt um das Wasserrohr wickeln. Die Enden dieser Drähte hängen dabei in der Luft, d.h. ein Stromfluß in den Wicklungen kann überhaupt nicht stattfinden. Diese Wicklungen sehen lediglich interessant aus, wenn sie sauber gewickelt sind, haben aber elektrisch oder magnetisch gesehen keinerlei nachweisbare Funktion. Da kein Strom durch die Wicklungen fließen kann, wird auch klar, daß solche Geräte über längere Zeit mit einer Batterie oder einem kleinen Steckernetzteil betrieben werden können. Die Hersteller sind jedoch lernfähig, zumindest was die Vortäuschung falscher Tatsachen angeht: In einigen neueren Geräten werden die Anschlüsse mittlerweile doppelt herausgeführt, so daß sich optisch gesehen zwar eine richtige Wicklung ergibt, aber elektrisch gesehen fließt immer noch kein Strom durch die "Wicklung".
Elektronischer Wasserenthärter
Bild 2: Elektronischer Wasserenthärter


Dadurch, daß kein Stromfluß in den "Wicklungen" stattfindet, wird auch kein Magnetfeld erzeugt. Selbst wenn dies der Fall wäre, würde dieses das in den üblicherweise aus Stahl hergestellten Leitungen fließende Wasser überhaupt nicht erreichen. Stahl ist nämlich ferromagnetisch und darüberhinaus elektrisch leitend. Ein Stahlrohr schirmt daher sowohl magnetische als auch elektromagnetische und elektrische Felder ab, ein Kupferrohr elektromagnetische und elektrische Felder. Sich zeitlich verändernde Magnetfelder (=elektromagnetische Felder) oder elektrische Felder sind deshalb absolut sinnlos.

Aus den genannten Gründen sind solche Geräte eine unglaubliche Verdummbeutelung ahnungsloser Leute. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß bei neueren Geräten dieser Art die Frequenz oder andere Parameter einstellbar sind. Die Taktik dahinter ist wohl die, durch Bedienelemente oder blinkende Leuchtdioden eine Funktion vorzutäuschen, die noch nicht einmal im Ansatz vorhanden ist. Zudem schafft man sich dadurch auf Verkäuferseite bei Reklamationen die Möglichkeit, die Schuld an der nicht nachweisbaren Funktion auf den Käufer zu schieben, z.B. indem man behauptet, der Käufer habe falsche Parameter eingestellt und es funktioniere deshalb nicht.


Versuch mit magnetisch behandeltem Wasser

Um allen Glaubenskriegen zwischen technisch und esoterisch bzw. "parawissenschaftlich" geprägten Menschen aus dem Weg zu gehen, hatte einer meiner Arbeitskollegen das Angebot eines Herstellers angenommen und einen magnetischen Wasserenthärter, der gut 1500 Euro kosten sollte, testweise in seinem Haus installiert. Es handelte sich um ein Gerät mit Permanentmagneten, das in die Wasserleitung eingebaut werden mußte. Nachdem das Gerät einige Zeit in Betrieb war, wurde Wasser vor und hinter dem Gerät abgezapft und in unserem Labor untersucht. Resultat: Absolut kein Unterschied. Am offensichtlichsten brachte der einfachste Versuch, bei dem gleiche Mengen Wasser auf einer Glasplatte eintrocknen gelassen wurde, die Wahrheit ans Licht: Beim besten Willen konnte man keinerlei Unterschiede feststellen. Beispielsweise war die mittels Mikroskop untersuchte Kristallstruktur in beiden Fällen absolut gleich. Die von Herstellern solcher Geräte oft gehörte Behauptung, man könne die Salze, die beim Eintrocknen des magnetisch behandelten Wassers mit einem weichen Tuch sehr einfach abwischen, erwies sich als absolut haltlos und völlig aus der Luft gegriffen: Die Salzkristalle hafteten auf den Glasplatten genauso hartnäckig wie bei gänzlich unbehandeltem Wasser. Die immer wieder gehörten Behauptungen, in einem Wasserkocher scheide sich keine Kalkschicht mehr ab, sei viel leichter entfernbar bzw. vorhandene Kalkschichten würden langsam aufgelöst, erwiesen sich ebenfalls als Produkt einer blühenden Verkäufer-Phantasie. Auch bei pH-Wert und anderen chemischen Kenndaten gab es keinerlei Abweichungen.

Aufgrund dieser erschütternden Ergebnisse ließ mein Arbeitskollege die Anlage wieder ausbauen. Die Rückgabe war übrigens nicht ganz unproblematisch, weil der Verkäufer, der vor Einbau ein kostenloses und unverbindliches Ausprobieren versprochen hatte, plötzlich davon nichts mehr wissen wollte. Daß die Rückgabe überhaupt zum Erfolg führte, war ausschließlich der Tatsache zu verdanken, daß die Anlage noch nicht bezahlt war und mein Kollege sich nicht einschüchtern ließ.

Die o.g. Untersuchungen wurden zwar unter Zuhilfenahme eines professionellen chemischen Labors durchgeführt, können jedoch unter streng wissenschaftlichen Aspekten nicht als völlig unabhängig bezeichnet werden. Denn die an der Untersuchung beteilgten Personen wußten genau, um was es ging und hätten theoretisch durch dieses Wissen das Ergebnis bewußt oder unbewußt manipulieren können. Die Ergebnisse sind jedoch trotzdem sehr eindeutig: Die versprochenen Vorteile, die sich in der Praxis angeblich für den Anwender leicht erkennbar sein sollen, konnten trotz erhöhten Aufwands überhaupt nicht nachgewiesen werden, obwohl gezielt danach gesucht wurde. Zudem sind Ergebnisse dieser Art nicht zufällig, wie Sie beispielsweise in  Kalk - das Gespenst in der Wasserleitung (Experimentelle Untersuchung der Kalkabscheidung nach Behandlung durch ein kommerziell angebotenes Gerät) oder  Kalkabscheidung unter Einfluß von magnetischen Feldern (Experimentelle Untersuchung von Magnetfeldern auf die Kalkabscheidung) nachlesen können. Auf der WebSite des Instituts für Umwelt- und Verfahrenstechnik der Schweizer Hochschule für Technik Rapperswil HSR bietet Prof. Dr. Bunge unter  Publikationen eine sehr gut gemachte und informative Checkliste zur Identifikation unseriöser technischer Verfahren und Produkte an, das Sie als PDF herunterladen können.


Testergebnisse

Die für eher milde Testurteile bekannte Stiftung Warentest hatte Anfang 2000 einen Test verschiedener magnetischer und elektronischer Wasserenthärter veröffentlich. Bei den meisten war keinerlei Wirkung nachweisbar. Lediglich denjenigen Geräten wurde die Prüfnote "befriedigend" zuerkannt, die als Filter deklarierte chemische Umwandlungsstufen (Ionenaustauscher) besaßen, die diejenige Wirkung erzielen, die in den Prospekten den Magneten nachgesagt werden. Da diese "Filter" aber sehr klein dimensioniert sind (sonst fällt ja die Tarnung auf und auch Unbedarfte erkennen, daß nicht der Magnet enthärtet sondern das "Filter"), müßte man diese selbstverständlich häufig wechseln, damit die Wirkung erhalten bleibt. Das macht natürlich niemand, weil Filter nicht als Verschleißteile gelten. Wenn die chemische Umwandlungsstufe mit Calcium- und Magnesiumionen gesättigt ist, findet auch keine Wasserenthärtung mehr statt, worauf die Stiftung Warentest auch ausdrücklich hinwies.


Täuschung der Käufer

Gerne schmücken die Hersteller ihre völlig unwirksamen Produkte mit CE-, TÜV-, GS- oder andere Zeichen bzw. mit Nachweisen über die Einhaltung irgendwelcher Normen. Einziges Ziel ist, dem Käufer damit zu suggerieren, die Wirksamkeit sei von anerkannten Prüfanstalten nachgewiesen worden, nachdem die Masche mit irgendwelchen windigen Expertisen, die das Papier nicht wert sind, auf das sie geschrieben sind, aufgrund der fortschreitenden Aufklärung der Verbraucher offensichtlich nicht mehr zieht. Diese Prüfzeichen oder Normen haben mit der Wirksamkeit jedoch überhaupt nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um Nachweise über z.B. die elektrische Betriebssicherheit, die Druckfestigkeit, Dichtigkeit und hygienische Unbedenklichkeit. Manche Normen beziehen sich noch nicht einmal darauf: Beispielsweise hat die Norm DIN/ISO 9000 mit dem Produkt selbst überhaupt nichts zu tun, sondern beschreibt lediglich die Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem. Dieses ist ein ursprünglich amerikanisches System, dessen zentraler Kern die Dokumentation gewisser Entwicklungs- und Fertigungsabläufe ist, damit sich beim in Amerika üblichen sehr kurzfristigen Ausscheiden von Mitarbeitern der Know-How-Abfluß in Grenzen hält.

Die Hersteller dieser absolut wirkungslosen Produkte sind leider sehr erfinderisch, wenn es darum geht, Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen: Zunehmend statten sie ihre Produkte mit "Vorfiltern" aus, bei denen es sich in Wahrheit aber um kleine Ionenaustauscher handelt. Ionenaustauscher enthärten in der Tat das Wasser und werden daher in richtigen Wasserenthärtungsanlagen eingesetzt. Das Dumme ist nur, daß der als Vorfilter getarnte kleine Ionenaustauscher nur eine sehr begrenzte Menge an Wasser enthärten kann, wobei die sonst übliche Regeneration mit Kochsalz nicht vorgesehen ist. Sonst würde es ja auch auffallen, daß der "Vorfilter" gar kein Filter ist. Aber es reicht leider aus, um in Tests eine Wirkung zu erzielen, da diese üblicherweise mit Neugeräten durchgeführt werden. Auf diese Weise ist es sogar möglich, von anerkannten Prüfanstalten eine Bestätigung der Wirksamkeit zu erhalten, obwohl sich diese in der Praxis sehr schnell verliert, wenn man nicht andauernd den "Vorfilter" erneuert.


Ausprobieren / Testbetrieb bei Ihnen zu Hause

Möglicherweise sind Sie jetzt hin- und hergerissen, weil Sie zwar einerseits die Erklärungen plausibel finden, warum magnetische oder elektronische Wasserentkalker überhaupt nicht funktionieren können, andererseits aber skeptisch sind, weil es ja schließlich mehr als nur eine einzige Firma gibt, die solche Geräte herstellt. Wenn Sie aus eigener Kraft anhand der Fakten nicht beurteilen können, wer die Wahrheit sagt, befinden Sie sich in einer nicht gerade einfachen Lage, denn es läuft auf ein philosophisches Problem hinaus. Im Internet findet man nämlich neben zahlreichen WebSites mit objektiv richtigen Informationen schließlich auch eine ganze Menge von WebSites mit den abstrusesten Verschwörungstheorien wie z.B., daß die Mondlandung nie stattgefunden habe und eine reine Fernsehproduktion der Amerikaner gewesen sei.

Bei der Lösung des philosophischen Problems kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen, da Sie mich in diesem Fall als genauso parteiisch betrachten müssen wie die Gerätehersteller, wobei Sie keiner Partei einfach glauben dürfen. Vielleicht denken Sie als logische Folge zur Klärung dieser Frage darüber nach, das Angebot eines Herstellers oder Verkäufers anzunehmen, eine Anlage für einen begrenzten Zeitraum zum Test völlig unverbindlich und kostenlos in Ihrem Haus zu montieren. Für diesen Fall möchte ich Ihnen nachfolgend ein paar Tips mit auf den Weg geben, damit das angepriesene kostenlose und unverbindliche Ausprobieren nicht möglicherweise aufgrund vieler geschickt plazierter Fallstricke zum finanziellen Fiasko wird.

Verkaufspsychologie
Wenn Sie sich auf einen Test einlassen, hat der Haustürverkäufer bereits deutlich mehr als bloß den Fuß in der Tür. Sie sollten nicht so blauäugig sein und glauben, daß Sie mit einem freundlichen "Bitte bauen Sie das Gerät wieder aus" den Verkäufer problemlos wieder loswerden. Es handelt es sich fast immer um Verkaufsprofis, die mit nahezu allen Wassern gewaschen sind und sich nicht so leicht abwimmeln lassen. Wenn Sie Ihre Rechte als Käufer nicht ganz genau kennen, sehr harsch auftreten können und zudem psychologisch sehr robust sind, werden Sie am Ende einen gültigen Kaufvertrag in der Tasche haben. Sie sollten sich deshalb nicht auf einen solchen Versuch einlassen, wenn Sie schon in einem regulären Geschäft Probleme haben, eine Reklamation gegen den Widerstand eines Angestellten durchzusetzen.

AGB
Lesen Sie unbedingt die allgemeinen Geschäftsbedingungen langsam und wirklich vollständig durch. Oft verstecken sich in den AGB Klauseln, die die Rückgabe des nichtfunktionierenden Geräts nahezu unmöglich machen. Machen Sie nicht den Fehler, scheinbar unwichtige Dinge zu überlesen, denn gerade unseriöse Firmen positionieren gern die dicksten Fallstricke mitten in langatmigen und langweiligen Texten. Um die Konsequenzen der Formulierungen zu verstehen, benötigen Sie leider juristisches Basiswissen. Leisten Sie daher keinesfalls sofort eine Unterschrift, sondern lassen Sie sich lieber die AGB aushändigen und von jemandem auf Haken und Ösen prüfen, der sich damit auskennt. Selbst wenn Sie einen Rechtsanwalt damit bemühen, ist dies deutlich billiger, als nachher de facto einen Kaufvertrag in der Tasche zu haben. Ein seriöser Verkäufer, der gute und vor allem funktionierende Produkte anbietet, wird dafür immer Verständnis haben. Wenn aber der Verkäufer darauf drängt, daß Sie irgendein Dokument unterschreiben, spricht das für ein hohes Maß an Unseriosität. Auf die nachfolgenden Fallstricke in den AGB (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) sollten Sie unbedingt achten:

  • Anzahlung / Sicherheitsleistung
    Eine Anzahlung oder Sicherheitsleistung ist der erste Schritt zu einem Kaufvertrag. Wenn eine solche für die Installation gefordert wird, müssen Sie zudem damit rechnen, daß ein unseriöser Verkäufer sie nicht mehr zurückzahlt, wenn Sie das Gerät wieder ausbauen lassen. Der einzige Weg, an Ihr Geld zu kommen, ist dann eine Zivilklage vor Gericht. Die allermeisten Leute scheuen sich allerdings wegen der Risiken und Kosten davor, einen Rechtsanwalt mit der Klageerhebung zu beauftragen, so daß unter dem Strich für unseriöse Verkäufer auch dann noch ein Plus bleibt, wenn einzelne Kunden vor Gericht ziehen und gewinnen.
    Aus Sicht des Verkäufers ist eine Sicherheitsleistung ohnehin überhaupt nicht gerechtfertigt, da er nahezu kein Risiko eingeht. Das Gerät wird ja schließlich fest in der Wasserleitung installiert, und der Verkäufer kennt die genaue Adresse. Die Wahrscheinlichkeit, daß Sie Ihr Haus verkaufen, nur um das Gerät bei Auszug auszubauen und an eine unbekannte Adresse zu ziehen, dürfte extrem gering sein. Und sollten Sie sich in einem anderen Szenario als zahlungsunfähig erweisen, kann der Verkäufer zumindest das Gerät wieder ausbauen. Wenn eine Anzahlung oder Sicherheitsleistung verlangt wird, deutet dies daher auf einen unseriösen Verkäufer hin.

  • Testzeitraum:
    Prüfen Sie unbedingt genau, wie lange der Testzeitraum genau ist und wann er beginnt. Es ist unabdingbar, daß der Testzeitraum schriftlich fixiert wird. Manchmal beginnt laut AGB der Testzeitraum ab Vertragsunterzeichnung. Wenn sich der Verkäufer dann dann auch noch mit dem Einbau Zeit läßt, kann man von einem Test erst gar nicht reden. Am sichersten fahren Sie, wenn Sie sich vom Verkäufer schriftlich bestätigen lassen, an welchem Datum der Testzeitraum endet.

  • Einbaudatum
    Wichtig ist, daß das Einbaudatum schriftlich festgehalten wird und Sie eine Durchschrift erhalten. Achten Sie unbedingt darauf, daß das Datum sauber und gut leserlich geschrieben wird sowie daß es nicht "aus Versehen" ein paar Tage, Monate oder sogar Jahre zurückdatiert wird. Im Eifer des Gefechts übersieht man solche wichtigen Kleinigkeiten wie eine falsche Jahresangabe sehr leicht.

  • Rückgabebedingungen:
    Ist für die Rückgabe ein Nachweis erforderlich, daß das Gerät nicht funktioniert? Einen Nachweis, den der Verkäufer anerkennen muß, können Sie als Privatperson nicht führen (es sei denn, Sie sind vereidigter Sachverständiger auf diesem Gebiet), und ein Gutachten ist wahrscheinlich viel teurer als der Kaufpreis des Geräts. Es ist daher wichtig, daß eine Rückgabe ohne Angabe von Gründen möglich ist.

  • Rückgabe:
    Wenn Sie sich innerhalb des vereinbarten Testzeitraums für eine Rückgabe des Geräts entscheiden, sollten Sie dafür Sorge tragen, daß Sie diesen Wunsch Ihrem Vertragspartner gerichtsverwertbar zukommen lassen. Ein Telefonanruf reicht dazu nicht aus, weil Sie nur extrem schlecht nachweisen können, wann Sie das Telefonat mit wem geführt haben und was der Inhalt war. Setzen Sie vielmehr ein Schreiben auf, in dem Sie klar formulieren, daß Sie unter Hinweis auf den noch nicht abgelaufenen vereinbarten Testzeitraum das Gerät zurückgeben möchten und kurzfristig um Ausbau bitten. Lassen Sie sich von einem Bekannten auf einem Duplikat des Schreibens mit Datum und Unterschrift bestätigen, daß dieses identisch mit dem Original ist, und bitten Sie ihn, das Original per Einschreiben mit Rückschein an den Verkäufer zu schicken oder zusammen mit Ihnen zur Post zu gehen.

    Es ist wichtig, daß Sie nachweisen können, welchen Inhalt das Schreiben hatte, wann Sie es abgeschickt haben und wann es beim Verkäufer angekommen ist. Die letzten beiden Punkte können Sie durch den Einlieferungsschein sowie den Rücksendeschein nachweisen. Für den Inhalt benötigen Sie die o.g. Person, die notfalls vor Gericht bezeugen kann, daß die von ihm unterschriebene Kopie mit dem Schreiben an den Verkäufer identisch ist. Diese Person sollte das Schreiben in den Umschlag stecken, zukleben und bis zur Abgabe auf der Post nicht mehr aus der Hand geben, damit man Ihnen nicht vorwerfen kann, den Umschlag böswilligerweise gegen einen anderen mit ganz anderem Inhalt ausgetauscht zu haben. Die besagte Person sollte möglichst mit Ihnen weder verwandt noch verschwägert sein.

  • Vertretungsberechtigung / Vertragspartner
    Unter unseriösen Firmen beliebt ist das Spielchen mit dem Vertragspartner und der Vertretungsberechtigung. Hierbei wird der Vertreter bei Ihnen den Anschein erwecken, Ihr Vertragspartner zu sein, und mit der Angabe von Telefonnummer und Adresse nicht geizen. Ziel ist es dabei, daß Sie z.B. ihren Wunsch der Beendigung des Tests an den vermeintlichen Vertreter schicken. Wenn in den AGB aber festgelegt ist, daß der vermeintlich Vertreter in Wahrheit jedoch lediglich als Vermittler auftritt und Ihr Vertragspartner eine ganz andere Firma ist, läuft Ihre Kündigung trotz Einschreibens mit Rückschein ins Leere. Denn Ihr echter Vertragspartner erhält das Schreiben ja garnicht. Wenn Sie den Irrtum bemerken, ist der Testzeitraum höchstwahrscheinlich schon lange abgelaufen.

    Genauso gern wird in den AGB vermerkt, daß der Vertreter überhaupt nicht vertretungsberechtigt ist. Strenggenommen ist er dann lediglich ein aufdringlicher Briefträger. Ohne Vertretungsberechtigung ist alles, was er sagt, vollkommen wertlos und hat keinerlei Relevanz. Für Sie ist besonders übel, daß er Ihnen in diesem Fall sogar schriftlich zusichern kann, was er will, ohne daß Ihr tatsächlicher Vertragspartner daran gebunden ist. Nebenabreden, so der juristische Ausdruck, sollten Sie daher im Zweifelsfall von Ihrem tatsächlichen Vertragspartner bestätigen lassen, bevor Sie auch nur ein einziges Dokument unterschreiben.
Begrenzte Wirksamkeit
Wie schon weiter oben unter  Täuschung der Käufer erwähnt, ist es durchaus möglich, daß Geräte mit vollkommen unwirksamem Wirkungsprinzip für eine sehr begrenzte Zeit durch Anwendung bestimmter Tricks tatsächlich eine Enthärtungswirkung zeigen. Nach dem Einbau werden Sie dabei eine deutliche Entkalkungswirkung feststellen und womöglich begeistert sein. Im Gegensatz zu der schlagartig (durch den Einbau) einsetzenden Wirkung, ist der recht bald eintretende Wirkungsverlust schleichend, so daß er nicht augenfällig ist. Bei einem Testzeitraum von nur 30 Tagen werden Sie bei nicht übertrieben hohem Wasserverbrauch kaum die Chance haben, ohne regelmäßige Laboranalysen die Täuschung aufzudecken.

Falls der Hersteller den Trick mit den kleinen "Vorfiltern" verwendet, haben Sie eine Chance, den Betrug aufzudecken, wenn Sie sich nach dem Einbau zunächst überhaupt nicht um die Wasserqualität kümmern, sondern erst einmal das Wasser voll aufdrehen und recht lange laufen lassen. Versuche zur Wasserqualität sollten erst dann erfolgen, wenn einige Kubikmeter (d.h. einige tausend Liter) durchgelaufen sind, d.h. wenn der "Vorfilter" seine Wirkung verloren hat. Obwohl ein Kubikmeter Wasser ziemlich viel Geld kostet und es im Grunde eine wahre Verschwendung ist, sollten Sie diese Ausgabe nicht scheuen, da z.B. 10 Kubikmeter Wasser im Vergleich zum Gerätepreis sehr preiswert sein dürften. Dies ist natürlich nur sinnvoll, wenn das Gerät in die Wasserleitung eingebaut wird. Geräte, die lediglich von außen an der Wasserleitung befestigt werden, können auch mit Tricks nie eine reale Wirkung besitzen.

Psychologie
Immer wieder erreichen mich Zuschriften, in denen davon die Rede ist, daß magnetische bzw. elektronische Wasserenthärteranlagen angeblich tatsächlich funktionieren. Ich vermute zwar aufgrund der Formulierung und der leicht zu durchschauenden Zielsetzung, daß diese zum nicht unerheblichen Teil zwar von Herstellern/Verkäufern stammen (nachdem diese gemerkt haben, daß sie mit der "harten Tour", d.h. der Drohung, mich zu verklagen, sofern ich diese Seite nicht vom Netz nehme, bei mir auf Granit beißen, versuchen sie es offensichtlich auf die "zarte Tour"), aber ein Teil stammt wahrscheinlich tatsächlich von Käufern. Daß diese Leute von der Wirkung überzeugt sind, entspricht zwar überhaupt nicht der Realität, ist aber leicht erklärbar.

Abgesehen von den angesprochenen Tricks spielt auch die Psychologie eine große Rolle. Wenn man an eine Wirkung glaubt (und wer ist das nicht, der nicht unerhebliche Geldbeträge in solche Geräte investiert?), wird man eine solche auch subjektiv bemerken, auch wenn sich objektiv garnichts ändert. Man denke nur an Arzeimittelversuche mit sogenannten Placebos, die bei einem nicht kleinen Teil der Probanden eine positive Wirkung zeigen, obwohl sie nur aus z.B. pharmazeutisch unwirksamem Zucker bestehen. Die gefühlte Wirkung ist dabei davon abhängig, welche Wirkung man den Probanden in Aussicht stellt. Dieser Effekt ist übrigens wissenschaftlich nachgewiesen. Der gleiche Effekt ist bei manchen Jugendlichen festzustellen, die sich unter ihren untermotorisierten Kleinwagen älteren Datums einen sogenannten Sportauspuff montieren, der vorzüglich dazu geeignet ist, um Nachbarn und Bewohner von Durchgangsstraßen nachts aus dem Schlaf zu reißen. Sie sind fest davon überzeugt, daß mit der gesteigerten Lärmentwicklung auch eine deutlich fühlbare Leistungssteigerung einhergeht, obwohl objektive Leistungsmessungen ein völlig anderes Ergebnis zeigen. Trotz Konfrontation mit den Meßergebnissen schwören sie Stein und Bein, daß sie selbst in ihrem eigenen Fahrzeug eine deutliche Mehrleistung fühlen.


Fazit

Eine Enthärtung des Wassers auf magnetischem Weg kann weder physikalisch erklärt noch im Versuch nachgewiesen werden. Dabei ist es völlig egal, auf welchem Wege die Magnetfelder erzeugt werden. Auch Seltene-Erden-Magnete wie z.B. Neodymmagnete besitzen kein qualitativ anderes Magnetfeld als beispielsweise Elektromagnete oder die relativ billigen Ferritmagnete.

Die größte Frechheit in Bezug auf Verdummung der Kunden sind jedoch die sogenannten elektronischen Wasserenthärter, in deren hübsch um die Wasserleitung gewickelten bunten Kabeln noch nicht einmal Strom fließen kann.

Eine wirkungsvolle Wasserenthärtung kann nur auf chemischem Wege mittels Ionenaustauschern oder aber per Umkehrosmose durchgeführt werden. Keine Angst: Auch wenn es sich bei Ionenaustauschern um chemische Verfahren handelt, werden dem Wasser trotzdem keine womöglich bedenklichen Chemikalien zugesetzt. Dabei sind sie nicht einmal teurer als die absolut unwirksamen magnetischen Wasserenthärter, die die Hersteller auch gerne als physikalische Wasseraufbereitungsanlagen bezeichnen. Ionenaustauscher werden in großem Umfang beispielsweise in Geschirrspülmaschinen eingesetzt. Erkennen kann man diese sehr leicht daran, daß man sie regelmäßig mit Kochsalz regenerieren muß, d.h. die ausgetauschten Ionen aus dem Wasser (d.h. Calcium und Magnesium) werden wieder durch Natriumionen aus dem Kochsalz ersetzt. Umkehrosmoseanlagen funktionieren auf rein physikalische Weise (hier im richtigen Sinn des Wortes) und wirken salopp gesagt als ultrafeines Filter, das unerwünschte Ionen zurückhält. Leider fällt hierbei Abwasser in nennenswertem Umfang an, das die zurückgehaltenen Salze enthält. Beide Verfahren werden sowohl in der Industrie als auch in Privathäusern schon sehr lange verwendet und gelten daher als erprobte Technik. Anbieter von Ionenaustausch- oder Umkehrosmoseanlagen gibt es viele; füttern Sie einfach eine Suchmaschine Ihrer Wahl mit den Begriffen "Wasserenthärter Ionenaustauscher" oder "Wasserenthärter Umkehrosmose".

Wasser, das zum Gießen von Pflanzen verwendet werden soll, muß übrigens auch dann nicht enthärtet werden, wenn es sich um extrem hartes Wasser handelt. Viel einfacher ist es, den zu hohen pH-Wert durch Zugabe von Säure zu korrigieren, denn Calcium ist für Pflanzen keineswegs schädlich. Im Gegenteil: Calcium ist sogar für Pflanzen unentbehrlich und wird in relativ großer Menge benötigt; lediglich der hohe pH-Wert ist ungünstig. Wie man mit einfachsten Mitteln den pH-Wert korrigiert, können Sie in  Wasseraufbereitung nachlesen.
   

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Letztes Update dieser Seite: 23.08.2014 (Untergeordnete Seiten können aktueller sein)